Laut gedacht

Warum ich bin, wo ich bin

Hallo ihr Lieben,

habe ich euch eigentlich schon erzählt, warum ich tue was ich tue? Ich glaube nicht und ich finde, dass muss langsam mal nachgeholt werden.

So ein bisschen rum fotografiert habe ich schon immer. Mit 17 bekam ich meine erste analoge Spiegelreflex-Kamera. Ich habe sie heute noch. Ich hatte allerdings nie den Wunsch Fotografin werden zu wollen. Das war purer Zufall.

Nach dem Abi wollte ich nicht unbedingt studieren. Zu lang, zu trocken, ich konnte mir nicht vorstellen in der Uni-Bibliothek zu hocken und irgendwelche Hausarbeiten zu schreiben und es gab einfach keinen Studiengang der mich interessiert hätte…Ich wollte lieber arbeiten, aktiv was machen, kreativ sein. Und so bin ich die Ausbildung zur Fotografin geschlittert. Einfach mal beworben, weils geht und prompt einen Platz im Medienzentrum der Uni Rostock bekommen.

Die Ausbildung war großartig. Ich durfte noch mit Chemie matschen und experimentieren und mit Mittelformatkameras auf echtem Film fotografieren. Die Reportagefotografie habe ich hier von der Pike auf gelernt. Hat schon mal von euch jemand versucht auf einem Rollfilm mit nur 15 Bildern eine Veranstaltung festzuhalten? Da wurde noch gewissenhaft abgedrückt um möglichst wenig Ausschuß zu produzieren. Die Filme und die Bilder wurden noch per Hand entwickelt. Die digitale Fotografie war erst im kommen und Photoshop fand ich ziemlich doof und unnütz. Das ist nun 12 Jahre her. Wie sich die Welt doch verändert.

Nach dem ich die Ausbildung abgeschlossen hatte, habe ich noch ein paar Jahre im Medienzentrum und dann im Archiv der Uni gearbeitet. Nebenbei habe ich angefangen an meinem eigenen Business zu werkeln und für Kunden zu fotografieren. Irgendwie war a schon klar, dass ich in die Selbstständigkeit gehen würde. Nicht wegen der Selbstverwirklichung, sondern weil es einfach nur schlecht möglich ist, als Fotografin einen Job zu bekommen. Als dann 2007 mein Vertrag mit der Uni auslief habe ich mich in das Abenteuer „eigenes Business“ gestürzt.

In der Ausbildung lernt man ja jede Menge über Technik und Gestaltung….Was man nicht lernt ist alles übers Marketing, Steuern, Buchhaltung, Pricing, Branding, Positionierung, private Krankenversicherung….Ich war völlig ahnungslos und habe mit dieser Ahnungslosigkeit ein Studio eröffnet. Es lief gut an aber viel Geld habe ich nicht verdient. Ein Freund musste mir mit einem Kredit aushelfen, ich hatte nebenbei noch einen Putzjob und habe gearbeitet bis zum umfallen. Oft 7 Tage die Woche, Urlaub gabs nicht. Den konnte ich mir eh nicht leisten. Ich habe so ziemlich alles fotografiert was mir vor die Linse kam, Hochzeiten, Familien, Tiere, Passfotos, Firmenfotos, einfach alles. Hauptsache Geld verdienen… Meine Preise waren niedrig und so habe ich teilweise 5 Shootings am Tag gewuppt um die Kosten decken zu können. Ihr könnt euch vorstellen was das Ergebnis war. Nach ein paar Jahren war mein Job nur noch ein Job und ich fix und fertig. Noch dazu hatte ich einfach nie Geld, weil mein Studio, das Finanzamt und die Kosten die man als hauptberuflicher Selbstständiger so hat, haben sämtliche Einnahmen wieder aufgefressen haben. Ich konnte keine Studiofotos mehr sehen. Bei schönstem Wetter habe ich drinnen gehockt und eine Serie sah aus wie die andere. Ich wollte raus….

Aber ich hing/hänge sehr an meinem Business , es ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Aufgeben kam für mich nie in Frage. Also habe ich mein Konzept radikal umgestellt. Das Studio wurde geschlossen und mein Arbeitsplatz nach hause verlegt. Fotografiert wird nur noch draußen oder bei meinen Kunden zu hause. Was für eine Erleichterung. Spannende Locations, immer andere Lichtsituationen, Bewegung, tobende Kinder, bei jedem Shooting eine neue Herausforderung. Meine Preise habe ich rigoros erhöht. Ich wollte mehr Zeit für meine Kunden. Nicht mehr 5 Shootings am Tag, sondern eins…und das richtig. Ich habe einige Kunden verloren, die jenigen die an den klassischen Studiofotos festhalten wollten und die jenigen denen ich auf einmal zu teuer war/bin. Mein Angebot habe ich eingeschränkt und auf Hochzeiten, Paare und Familien reduziert. Das was ich am liebsten mache. Ihr glaubt nicht wie schöne es ist, nicht mehr durch irgendwelche Passbildwünsche gestört und dann angeranzt zu werden, warum die so teuer wären.

Meine Arbeit jetzt fühlt sich schon sehr viel mehr nach mir an. Ich habe auf einmal Zeit für Weiterbildung, für mein Marketing, für freie Arbeiten und für mich. Dinge die vorher vor lauter Arbeit einfach unter gegangen sind. Ich kann mich jedesmal neu kreativ austoben und die vielen kleinen Momente festhalten. Wenn ein Shooting mal länger dauert, dann ist das so, denn niemand steht schon wieder drängelnd in der Tür. Viele neue Kunden sind dazu gekommen, die das neue Konzept mögen und sie sind oft zu Stammkunden geworden. Ich habe eine ganze Weile gebraucht um herauszufinden was ich für mich eigentlich möchte, was meine Wünsche und Ziele sind und auf einmal habe ich durch ein paar Änderungen die Möglichkeit diese zu verwirklichen. Inzwischen möchte ich nichts anderes mehr machen. Ich liebe meinen Job sehr, er ist nicht mehr nur ein Job, sondern mein Leben.

Ich freue mich auf euch und die nächsten spannenden Jahre

Anke

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5 Kommentare zu “Warum ich bin, wo ich bin

  1. Das hast du sehr schön geschrieben. Ich durfte dich von Anfang an begleiten! Von Unijob über Studioeröffnung bis heute. Oft mussten ich und meine Tiere für Experimente herhalten. Das war meist ein riesen Spaß! Eiskalt, halb nackt, ganz nackt, auf dem Pferd (nicht nackt), unterm Pferd, mit Hund Canny, zu Hause, am Strand und so weiter. Ist schon praktisch, so eine Fotografin als Freundin. Besonders im Urlaub. Da hat man dann wirklich jeden Moment als Erinnerung auf Bild.
    Wie schwer es ist, ein eigenes Business zu erarbeiten, kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Man macht irgendwie sein Hobby zum Beruf und arbeitet, bis man kein Land mehr sieht. Es ist für uns beide immer noch ein langer Weg, von diesem Hobbyberuf auch leben zu können.
    Aber ich bin mir sicher, dass es uns gelingen wird, alle Steine aus dem Weg zu räumen. Liebe Grüße deine Judith.

    • Und was wäre ich ohne ein Freundin wie dich. Wer stellt sich schon bei -11 Grad im Kleid nach draußen nur weil ich mal Bilder im Schnee machen muss:-)
      Der Weg ist zwar lang und steinig aber wäre er nicht auch schön und spannend würden wir ihn nicht gehen….

  2. Anke, dieser Blogeintrag trifft den Nagel sowas von auf den Kopf! 😊 Danke für alles!!! Ohne deine wertvolle Arbeit, wäre meine Selbstständigkeit nie so gut geworden! Dein ehem. Co-partner Sebastian 😀

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